Diese kleine Ortschaft an der Küste der Insel Wellington nördlich von Punta Arenas wurde in den dreißiger Jahren als Stützpunkt für Wasserflugzeuge der Luftwaffe gegründet, die zwischen Puerto Montt und Punta Arenas hin- und herflogen.
Einige Jahre später wurden die in der Gegend versprengten indigenen Einwohner, die Kaweshkar (auch Alakalufes genannt) an diesen Ort verbannt. Es handelte sich dabei um Seenomaden, die zwischen dem Golfo de Penas (Golf der Leiden) und der Magellanstraße von Insel zu Insel wanderten. |
  |
Puerto Edén befindet sich in der Provinz Ultima Esperanza (auf Deutsch „Letzte Hoffnung”) in der XII. Region. Der Ort liegt in einer geschützten Bucht am Messierkanal in Patagonien und zählt ungefähr 286 Einwohner. Die Bevölkerung lebt vor allem von der Fischerei (besonders von Cholgas – einer großen Miesmuschelart – und Centollas, Königskrabben), vom Kunsthandwerk und vom Tourismus. Eine der wichtigsten Spezialitäten auf der Speisekarte sind die „Cholgas Ahumadas” (geräucherte Miesmuscheln).
Der kleine Hafen ist der einzige bewohnte Ort in dieser menschenverlassenen Landschaft zwischen den Meereskanälen im Süden, dem Golfo de Penas und der Magellanstraße. Der Ort wird über den Seeweg versorgt, d.h. die Schiffe, die wie Navimag von Puerto Montt bis Puerto Natales die Kanäle Patagoniens durchkreuzen bzw. die Schiffe der chilenischen Kriegsmarine bringen die Verpflegung. |
| |
Das Volk der Kaweshkar |
Die Kaweshkar oder Alakalufes sind die Ureinwohner dieser Gegend, ein Nomadenvolk, das in Kanus seine Streifzüge durch die Kanäle und Fjorde und zwischen den Inseln südlich der Halbinsel Taitao hindurch bis in die Nähe von Kap Horn machte.
Ihre Sprache ist das Kaweshkar, was gleichzeitig der Name ist, mit dem sie selbst ihr Volk bezeichnen. Es bedeutet so viel wie „Person” oder „Mensch”. Alakaluf hatte ursprünglich einen abwertenden Klang, weshalb sie diese Bezeichnung selber nie benutzten. |
  |
Die Bewohner dieser Gegend machten in ihren Kanus Streifzüge durch Kanäle und Fjorde zwischen Inseln hindurch, die wegen ihrer üppigen Vegetation unbewohnbar waren. Archäologische Funde aus der Gegend weisen nach, dass die Kaweshkar schon im Jahr 6.000 a. C. diese Wege benutzen.
Sie waren geschickte Jäger und Fischer. Ihre Nahrungsgrundlage waren Fischotter, Huemules (Andenhirsche), Meeresfrüchte, Fisch, Geflügel, Pflanzen, Samen und Seehunde. Die Felle nutzten sie für ihre Kleidung, aus den Knochen stellten sie Werkzeuge wie Harpunen und Messer her.
Ihre Kleidung bestand aus einem Lendenschurz und einem schwarzen Umhang. Wenn jemand starb, bemalten sie sich als Zeichen der Trauer die Gesichter schwarz. Für die kurze Zeit, die sie an Land weilten, bauten sie sich kleine runde Hütten, die nach oben hin spitz zuliefen. |
| |
Riten |
Wenn jemand aus der Gruppe schwer erkrankte, versuchten die Mediziner Heilung zu bringen, indem sie auf dem Rücken des Kranken eine Lanze zerbrachen und dabei die kranke Körperzone drückten, um dann die Krankheit rauszusaugen und schließlich gen Himmel zu blasen.
Brachten Behandlung und Riten nicht die erwünschte Wirkung, so wurde der Kranke verlassen, damit er die letzten Augenblicke seines Lebens allein verbringen konnte. |
  |
| |
Heute |
Heute gibt es noch ungefähr 15 Personen, die sich als Mitglieder dieses Volkes betrachten und die in der Nähe von Puerto Edén leben.
Nach und nach haben sich die Kaweshkar mit ihren Eroberern vermischt, haben deren Sprache erlernt und pflegen einen regen Handel mit ihren Produkten, wie zum Beispiel Kunsthandwerk. Im Laufe der Zeit haben sie eine tiefgreifende soziale und kulturelle Veränderung durchlebt.
|
  |
| Ihre Sprache und Traditionen sind immer seltener anzutreffen, sodass befürchtet werden muss, dass sie bald ganz verschwinden. |